#berndscamino à la française – Frankreich im Wandertempo

Irgendwo im Burgund

Mein #berndscamino ist inzwischen ziemlich à la française geworden. 2016 bin ich vor meiner Haustür in Berlin losgelaufen, habe meine westfälische Heimat durchquert, bei Schengen Luxemburg angeschnitten – und bin inzwischen nach mehr als 2.600 Kilometern in Toulouse angekommen.

Pünktlich zu meiner nächsten Etappe von Toulouse nach Lourdes gibt es meine europäische „Probegrabung“ nun auch zum Hören und auf Französisch zu lesen. Mit Andreas Noll habe ich für den Frankreich-Podcast Franko-viel darüber geplaudert, was man von Frankreich und Europa sieht, wenn man Paris, Berlin und Brüssel hinter sich lässt und das Tempo auf Wandergeschwindigkeit reduziert.

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Westnasen versus Ost-Zitterbacken

Alfons, Bernd und ein antifaschistischer Schutzwallwächter… 1989

Vielleicht ist Ostdeutschland gar nicht so ostdeutsch, wie wir darüber reden. Warum wählen Menschen autoritär? Wegen DDR-Erfahrung, Transformation, wirtschaftlicher Benachteiligung? Alles richtig – und doch greift mir die Ost-West-Erklärung zu kurz. Ein Ostberliner Handwerker, katholische Vereinsdemokratie, sowjetisch geprägte Aussiedlersiedlungen in Westdeutschland, meine Jugendbesuche im „DDR-Abenteuerland“, drei Jahre in der Slowakei – und ein wiedergefundener „Zitterbacke“ haben für mich mehr miteinander zu tun, als man zunächst denkt. Ausgangspunkt ist ein spannendes FAZ-Interview mit Magnus Brechtken. Mein eigentlicher Punkt aber ist ein anderer: Demokratie braucht mehr als demokratische Institutionen. Sie muss von einer eigenverantwortlichen pluralistischen Gesellschaft getragen werden.

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Verfahrenes Omnibuslobbying

Place du Luxembourg in Brüssel als Symbolort europäischer Interessenvertretung
Eigenes Bild vom Plux

Im Erscheinen: Interessenvertretung in der EU – mehr Tempo, weniger Übersicht?

Puh. Mein neuer Jahrbuchartikel zur Interessenvertretung in der Europäischen Union wird erst im Herbst im Jahrbuch der Europäischen Integration erscheinen. Herausgegeben wird das Jahrbuch vom Institut für Europäische Politik (IEP). Veröffentlichen darf ich den Bericht deshalb noch nicht. Aber so viel lässt sich schon sagen: Dieses Berichtsjahr hatte es in sich.

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Europa ist kein Organigramm

Europa lässt sich nicht mit einem Organigramm erklären. Wer verstehen will, wie die Europäische Union tatsächlich funktioniert, muss nicht nur auf Kommission, Parlament und Rat schauen. Man muss auch wissen, wo Kompromisse vorbereitet, Mehrheiten organisiert und Gesetze faktisch ausgehandelt werden: in AusschĂĽssen, Ratsarbeitsgruppen und in informellen Trilogen, fast nie in „ordentlichen Gesetzgebungsverfahren“. Genau deshalb habe ich mich ĂĽber die neue Ausgabe der „Informationen zur politischen Bildung“ zur Europäischen Union besonders gefreut. Gerne habe ich das Heft als fachlicher Gutachter begleitet und meine praktischen Erfahrungen aus EU-Gesetzgebung und Interessenvertretung eingebracht. Herzlichen Dank an die Bundeszentrale fĂĽr politische Bildung fĂĽr das Vertrauen und den offenen Austausch. Die eigentliche Arbeit leisteten selbstverständlich die Autorin Eva G. Heidbreder und die Redaktion. Ich durfte mitdenken, nachfragen und an einigen Stellen dafĂĽr werben, die Europäische Union nicht nur so darzustellen, wie sie in den Verträgen beschrieben wird, sondern auch so, wie sie in der politischen Praxis funktioniert.

Das neue Heft kostenlos herunterladen oder als Druckausgabe bestellen

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W Social – oder: Ich habe Bluesky gar nicht verlassen

Zumindest werden das die meisten gar nicht merken. Wer mir auf Bluesky folgt, sieht meine Beiträge weiterhin. Man kann sie lesen, kommentieren und teilen wie bisher. FĂĽr meine Community hat sich praktisch nichts verändert. Und doch habe ich neues Territorium betreten. Europäisches. Mein Account @huettemann.eu wird kĂĽnftig von W Social, einem europäischen Anbieter, gehostet. Ich habe also nicht das soziale Netzwerk mit dem „butterfly feeling“ verlassen. Ich habe den Anbieter innerhalb desselben offenen Netzwerks gewechselt. Vielleicht ist genau das die eigentliche Nachricht. Ich habe den Eindruck, viele haben noch gar nicht verstanden, was hier gerade wächst.

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Interessenvertretung in Europa – frĂĽhere Jahrbuchartikel online abrufbar

IEP Berlin

Im Jahrbuch der Europäischen Integration 2024/25 erscheint im Herbst mein neuer Beitrag zur Interessenvertretung in der EU. Darin analysiere ich die Entwicklungen von Juni 2024 bis Juni 2025: Die anhaltenden Kontroversen um das Transparenzregister, die wachsende Bedeutung strategischer Korruption, die Neuaufstellung der Interessenvertretung nach der Europawahl 2024 sowie drohende Kürzungen von EU-Fördermitteln für nichtstaatliche Organisationen. Im Fazit zeichne ich die Perspektiven für 2025/26 nach – von Omnibuspaketen zum Bürokratieabbau über das Rüstungsprogramm „Readiness 2030“ bis hin zum neuen Mehrjährigen Finanzrahmen. Entscheidend wird bleiben, wie EU-Institutionen Integrität und Transparenz im Spannungsfeld geopolitischer Einflussnahme sichern können.

Gute Nachricht: Meine früheren Jahrbuchartikel sind nun im Online-Archiv des Instituts für Europäische Politik (IEP) frei zugänglich. Wer die Entwicklung von #LobbyEU seit 2012 nachvollziehen möchte, findet die Beiträge hier:

👉 Jahrbuch-Archiv – Institut für Europäische Politik

Leider sind die jeweils aktuellen Jahrgänge noch nicht enthalten, die Verlagslobby stemmt sich weiter gegen Opensourcepublikationen, auch bei steuerfinanzierten Projekten, die mehrheitlich Ehrenamtlich getragen sind. Immerhin, das Archiv bietet schon jetzt eine wertvolle Möglichkeit, die Kontinuität und den Wandel in der EU-Interessenvertretung über mehr als ein Jahrzehnt hinweg zu verfolgen.

Auf Nebenwegen: von Conques nach Toulouse

Nächstes Jahr erreiche ich auf #berndscamino die Pyrenäen. Aber erstmal genoss ich 230 Kilometer zwischen Conques und Toulouse. Ich wählte bewusst diesen Nebenweg, um dem Massenpilgern auf der Via Podiensis auszuweichen. Dass ich unterwegs nur einer einzigen Pilgerin begegnen würde, hätte ich allerdings nicht erwartet.

Conques ist in seiner mittelalterlichen Spiritualität eingebettet ein einem für Deutsche unbekannten Frankreich. Ausgerechnet am 14. Juli war Paris gefühlt unendlich weit entfernt – und das sollte auch so bleiben. Der Weg erinnerte mich an meine Erfahrungen vor Le Puy: improvisiert, persönlich, herzlich.

Die meisten Adressen für private und familiäre Unterkünfte erhielt ich von Les Amis des Chemins de Saint-Jacques en Occitanie. Auch deshalb wurde es ein ganz besonderer Weg – ein Fußweg hinein nach Toulouse. Tipps zur Route gibt es hier.

Kurz vor Toulouse
Kurz vor Toulouse

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In fantastisch bestialischer Natur pilgern…

2024 über 300 Kilometer Inspiration: #berndscamino 👣  2.372 km seit Berlin

300 Kilometer lagen zwischen Saint-Étienne und Conques. 2024 führte mich #berndscamino über einsame Plateaus und Vulkanlandschaften des Zentralmassivs, durch malerische Dörfer und zu christlichen Stätten des Weltkulturerbes. Meinen Weg nach Santiago hatte ich 2023 auf dem wenig frequentierten #lechemindesallemands in der Nähe von Saint-Étienne beendet. Hier setzte ich 2024 wieder an. Es dauerte noch einige Tage, bis ich das Pilgerzentrum Le Puy-en-Velay erreichte, den beeindruckenden Ausgangspunkt der #viapodeniensis. Dies ist der Weg, den Pilger:innen aus Süddeutschland und der Schweiz traditionell wählen.

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Danke, Du bist eine echte Demokratin! Sagen wir nie…

Lille demokrati im Europäischen Jugendzentrum in StraĂźburg ĂĽben 1992 (rechts) – Demokratie bei EBD-Mitgliederversammlung 2024

Hand aufs Herz: Wann haben wir zuletzt zu einer Nachbarin oder einem Kollegen gesagt: „Danke, Du bist ein echter Demokrat!“? Vermutlich selten. Oder wann hat uns zuletzt jemand für unsere Konsens- und Kompromissfähigkeit im Alltag gelobt, vielleicht mit den Worten: „Ich mag dich, du bist eine echte Demokratin!“ Stattdessen wird oft bloßes Engagement gewürdigt – wofür wir natürlich dankbar sind. Aber reicht das? Nein, häufig hinterlässt es eher ein Gefühl von Unbehagen, Unzufriedenheit oder sogar Wut. Danke für nichts?

Mein Editorial im Scheinwerfer Das Magazin gegen Korruption 104/2024

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Herbst in der europäischen Lobby

Der Qatar-Gate-Skandal scheint nun in weiter Ferne, und es wird zunehmend unwahrscheinlicher, dass Eva Kaili in Belgien wegen ihrer mutmaßlichen Verwicklung in den Korruptionsfall vor Gericht gestellt wird. Dennoch hat sich das Integritätssystem im europäischen Gesetzgebungsprozess weiterentwickelt. Obwohl es für viele nicht weit genug geht, bewegt es sich in die richtige Richtung. In zwei Handbuchkapiteln über Lobbying in der Europäischen Union und in meinem jüngsten Jahrbuchartikel Interessenvertretung in der EU habe ich einige Übersichten über den Integritätsrahmen der EU gegeben.

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