vom Sauerland ĂŒber den Rhein hinaus 2019

Blick von der Heidenstraße in Holz bei Lindlar

Chut choan, Westfalen! Ich bin nun im Rheinland! 938 km gen Westen habe ich im Sommer 2019 von Berlin aus geschafft. Die Etappe reichte zwar nicht an die Überraschungen heran, die ich bisher von Höxter/Paderborn aus im Sauerland erlebt habe, aber dafĂŒr ging es in das heilige Köln. Mein Pilgerweg ins Rheinland hieß „Heidenstraße„, von GrevenbrĂŒck lief ich ĂŒber Attendorn, Meinerzhagen, Marienheide,  Lindlar, Untereschbach, Bensberg. Ab Köln ging ich die ersten Meter auf der Via Coloniensis ĂŒber BrĂŒhl nach Weilerswist und dann zurĂŒck mit dem Zug nach Berlin. Trotz vieler blaugelber Muschelschilder habe ich keinen Menschen auf aktiver Pilgerschaft ertappt. Es gab aber auch hier viele Heldinnen und Helden am Wege!

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Jenseits von Brexit

Eigentlich war diese Phoenix-Runde ĂŒberflĂŒssig wie ein Kropf. Aber die Diskussion entwickelte sich zukunftsorientiert. Was bedeutet der Brexitkompromiss fĂŒr die Europawahl 2019? Wie sehr ist der Kompromiss ein Pyrrhussieg? Ist das Durchwurschteln tatsĂ€chlich ohne negative Wirkung fĂŒr europĂ€ische Lösungen fĂŒr die drĂ€ngenden Fragen? Meine Diskussion in der Phoenix-Runde verlief spannender und kontroverser als erwartet. #Brexit Scheitern als Chance!

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Im „gebirgigten Westphalen“: vom Hochstift ins Sauerland 2018

Die gastfreundliche Blaskapelle Ovenhausen gleich nach der Krautweihe

Von Höxter aus machte ich mich auf in eine ganz besondere Region. Jenseits der Weser, im nun „gebirgigten Westphalen“ habe ich meine gesamte Kindheit verbracht. Das westliche Weserbergland, das Eggegebirge und die Paderborner HochflĂ€che, sind das was ich als „meine Heimat“ kennengelernt habe. Dazu gehören die wasserreichen Haufendörfer in tiefen TĂ€lern und die wasserarmen flachen Höhen.  Meine Erdkundelehrer haben mir frĂŒh von Wasserscheiden und Steigungsregen erzĂ€hlt. Und meine Tour brachte genau das: bei heißestem Sonnenschein und mit 3 Liter Trinkwasser lief ich ĂŒber Berg und Tal bis in die kleine Stadt Brakel. Am nĂ€chsten Tag folgte andauernder Fisselregen im Nethetal bis Bad Driburg. Wiederum tags darauf auf dem Eggegebirgskamm musste ich strömendem PlĂ€dderregen trotzen. Auf der Paderborner HochflĂ€che folgten windige Haufenwolken.

Mein Weg durch Hochstift Paderborn und Hochsauerlandkreis

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In das Weserbergland pilgern 2017

Von Kloster Marienborn nach Diekholzen

Von Braunschweig nach Westfalen zu Pilgern hieß 2017 noch viel Improvisation, da der Weg grĂ¶ĂŸtenteils noch nicht ausgeschildert war (und bis 2020 wohl nicht ist). Aber die Marken mit bedeutenden Kathedralen und Klöstern in Braunschweig, Ottbergen, Hildesheim, Marienrode, Amelungsborn, Corvey machen zusammen mit dem ungemein schönen Weserbergland einen wunderbaren Jakobsweg.

Erst im August 2017 konnte ich von Braunschweig aus den Weg gehen. Die ganze Etappe wollte ich  zwischen zwei Bahnstationen laufen. Und der Eindruck dieser immer noch stolzen Welfenstadt war erstaunlich gut. Ich begann in der katholischen St. Aegidien-Gemeinde.

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von Eilsleben auf den Braunschweiger Jakobsweg 2017

Königslutter mit Kaiserdom

Ostfalen… ich hatte mal meinen Deutschlehrer gefragt: „Herr Hunstig, wenn es ein Westfalen gibt, dann muss es doch auch ein Ostfalen geben, oder?“. Er wusste keine Antwort. Aber schon seit Magdeburg finde ich ĂŒberall Ostfalen und ostfĂ€lisch auf Schildern. IdentitĂ€t der „Westelbier“. Das sĂŒdliche Niedersachsen ist irgendwie auch so und nennt sich immer hĂ€ufiger Ostfalen. Aber vor allem sind die Menschen hier Braunschweiger, was eigentlich heißt: keine Hannoveraner. Braunschweig, also. Eigentlich sollte ich hier noch gar nicht gelaufen sein, schließlich ist der Braunschweiger Jakobsweg nur zwischen Helmstedt und Braunschweig ausgeschildert. Der Rest ist irgendwie Landschaft wie ĂŒberall.

Jakobsweg Eilsleben Braunschweig

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Was Europas Demokratie aus-macht…

Wie lĂ€sst sich erklĂ€ren, dass die Demokratie in der EuropĂ€ischen Union unter solch einem populistischen Druck steht? Was macht Europas Demokratie in Zukunft aus? Antworten fallen schon im normalen Leben nicht leicht. Aber die Hauptrede des Jahres vor Contheodorianer/inne/n meines Gymnasiums zu halten ist dann doch etwas ganz Besonderes. Es wurde ein Vortrag ĂŒber die demokratische Relevanz Europas aus beruflicher und persönlicher Perspektive. Mein Fazit: seit meinem Abi90 hat sich die Gesellschaft schleichend entdemokratisiert, auch zum Schaden der europĂ€ischen Idee.

Mein Vortrag auf dem Theodorianerabend 2017 am Gymnasium Theodorianum in Paderborn

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Alles was EU-Recht ist… leider nicht immer nationale Politik

Auf Defizite hinweisen, aber Alarmismus vermeiden. Dies gilt vor allem fĂŒr das grĂ¶ĂŸte Netzwerk fĂŒr Europapolitik in Deutschland. Das jĂŒngste EuGH-Urteil zur Dublin III-Verordnung ist europarechtlich zu begrĂŒĂŸen, politisch fordert aber die EBD schon seit langem, dass mehr SolidaritĂ€t in FlĂŒchtlings- und Asylfragen herrschen muss. Dublin III mĂŒsse abgeschafft werden, fordern die EBD-Mitgliedsorganisationen schon seit 2015.

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Mein Weg in Sachsen-Anhalt 2017

Die Magdeburger Börde auf dem Weg

2017 durchquerte ich Sachsen-Anhalt. Von Stendal aus ging es gut ausgeschildert sĂŒdlich nach Magdeburg und dann ein wenig improvisiert direkt nach Westen auf den Braunschweigischen Jakobsweg. Höhepunkt war selbstverstĂ€ndlich das aus Ruinen auferstandene Magdeburg, beeindruckt hat mich allerdings die noch immer große Trostlosigkeit in vielen Dörfern der einst so reichen Magdeburger Börde.

von Stendal nach Eilsleben

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FĂŒr eine demokratische öffentliche Diplomatie

Es kommt so einiges zusammen dieser Tage. Populismus, Brexit, Nationalismus, Trump, Krise der Freien Welt, immer noch sterbende FlĂŒchtlinge, immer noch Krieg in der Ukraine. Ein mehr als irritierendes EU-Beitrittskandidatenland taucht in der deutschen Öffentlichkeit auf und unter: die TĂŒrkei. Im Januar hielt ich auf Einladung der TĂŒrkiye Avrupa Birliği Derneği (EuropĂ€ischen Bewegung TĂŒrkei) in Istanbul beim Unternehmerverband TÜSÄ°AD eine Rede zum Populismus in der EU. Na wunderbar, dachte ich, ausgerechnet in der TĂŒrkei, in einem mehr als zerrissenem Land mit Notstandsgesetzen und Verfolgungen soll ich ĂŒber den Anstieg von nationalistischem Populismus in der EU sprechen. Wahr ist, dass es einen europaweiten Trend der EinschrĂ€nkung von Menschen- und BĂŒrgerrechten gibt. Gleichzeitig gibt es europaweit große Probleme bei der BekĂ€mpfung von Korruption.

Und seit den 80er Jahren gibt es einen fatalen Trend zur Vereinfachung und Effizienz, den sich Populisten und gut ausgebildete Technokraten teilen. Gemeinsam ist ihnen daher auch die Verachtung fĂŒr langwierige Konsens-Demokratie, ob „Vereinsmeierei“ oder „Schwatzbude Parlament“. Pluralismus ist somit ganz oben auf der Liste der Verachtung von Populisten und Technokraten. Und die komplizierte EU mit jungen demokratischen AnsĂ€tzen wird ebenfalls ins Kreuzfeuer von Vertretern beider Denkmuster genommen.

Nun konnte ich in einem Artikel bei  Turkish Policy Quarterly meine ersten Thesen vom Januar in meinem Artikel „Tackling Populism in Europe with a new form of public diplomacy“ vertiefen.

Meine Hauptthese: wir mĂŒssen uns europaweit und auf allen Ebenen auf die Demokratie im Kleinen und Großen konzentrieren. Und die Diplomatie derjenigen LĂ€nder, die eine pluralistisch Demokratie vertreten, muss ĂŒber Vernetzung und Förderung grenzĂŒberschreitender demokratischer Vereine und VerbĂ€nde alle SphĂ€ren der Demokratie stĂ€rken. Denn nur freie agierende KrĂ€fte können einen demokratischen Wettbewerb mit möglichst vielen Akteuren gewĂ€hrleisten, nicht allein der Staat. Insofern ist die globale Krise der Demokratie auch eine Krise der demokratischen Diplomatie. Eine „Democratic Public Diplomacy“ tut not!

FĂŒr mehr „Lille Demokrati“! bei Pulse of Europe

Mehr grenzĂŒberschreitenden Dialog und mehr Einsatz fĂŒr die „Demokratie im Kleinen“ist fĂŒr mich der richtige Weg, um Europa stark zu machen: Am Pfingstsonntag sprach ich bei Pulse of Europe in Berlin. Trotz Regens waren mehrere Tausend ProeuropĂ€er auf den Gendarmenmarkt gekommen, um Flagge fĂŒr die EU zu zeigen.

Die Berliner Organisatoren von Pulse of Europe hatten mich eingeladen, fĂŒr die EuropĂ€ische Bewegung Deutschland, aber auch als VizeprĂ€sident der EuropĂ€ischen Bewegung International zu sprechen und einige Impulse fĂŒr die Zukunft und Weiterentwicklung der EU zu geben.

Meine vorbereitete Rede zum Nachlesen:

„Schließen Sie einfach die Augen. Stellen Sie sich vor, Sie sind HollĂ€nderin oder HollĂ€nder, sie stehen auf einem großen historischen Platz in Den Haag, drei Jahre nur nach dem Zweiten Weltkrieg.

Nein, nichts ist schwarzweiß, die alten HĂ€user sind bunt, aber Ihr Hass auf die Besatzung, die aggressiv mordenden Deutschen ist noch nicht verflogen. Und Sie haben sie gesehen, die vielen ReprĂ€sentanten aus ganz Europa: KĂŒnstler, Gewerkschaftler, Wirtschaftsvertreter, Politiker, Wissenschaftler, Diplomaten, die in Ihre Stadt kamen. Viele von Ihnen sind ausgemergelt, erschöpft, viele sind dem Morden an der Front oder den Brandbomben entkommen, einige haben gar das KZ ĂŒberlebt. Wenn Sie die Augen wieder öffnen: es waren 40.000 Menschen auf dem Platz und 700 Abgesandte im Ridderzaal, damals am 10. Mai 1948.

Überlebende ReprĂ€sentanten der demokratischen, gesellschaftlichen KrĂ€fte begrĂŒndeten damals die EuropĂ€ische Bewegung. Und das grĂ¶ĂŸte Wunder: Sie einte die Verantwortung fĂŒr ein Vereintes Europa. Ob Links, ob Rechts, ob Arbeitgeber oder Arbeitnehmer, ob hoch ausgebildet oder Selfmade-Demokraten. Die Versammlung im Ridderzaal war zwar zu sehr mĂ€nnlich dominiert, aber wirklich demokratisch, pluralistisch und nach besten Möglichkeiten reprĂ€sentativ.

2018 jĂ€hrt sich dieses Ereignis zum 70. Mal. Wie 1948 können wir in Europa es nicht allein der Politik und den Beamten ĂŒberlassen, dass Menschen grenzĂŒberschreitend zusammenarbeiten und zusammenhalten. Es ist eine Illusion, dass Staatskanzleien und Sherpas in EU-Gipfeln dies leisten könnten. Wir brauchen nicht nur elitĂ€re Intelligenz, sondern auch die zwei Prinzipien der Schwarmintelligenz: immer in Bewegung bleiben, sich aber nie zu weit vom Nachbarn entfernen.

Wir mĂŒssen wieder auf Demokratie in allen Lebensbereichen drĂ€ngen – und zwar in ganz Europa. Aktive Demokratie lernt man nicht in Verwaltungsschulen! Demokratie ist hier auf dem Gendarmenmarkt, beim Nachbarschaftsfest, bei der Klassensprecherwahl, im Betriebsrat, in der Handelskammer, aber auch im KaninchenzĂŒchterverein. Der SchriftfĂŒhrer, die Klassensprecherin, die Engagierten bei Pulse of Europe – sie alle tragen Verantwortung!

Die DĂ€nen nennen das „Lille Demokrati“. Die kleine Demokratie, die Demokratie im Kleinen! Wir brauchen nicht nur Wahlen und Parlamente, die große Demokratie! Wir mĂŒssen uns in kleinen und großen Initiativen – ad hoc aber auch nachhaltig – zusammentun.

Demokratie ist, in Ämtern ehrenamtlich Verantwortung zu ĂŒbernehmen, aber auch die unangenehme Erfahrung, Wahlen zu verlieren. Demokratie ist anstrengend, langwierig und langweilig. Demokratie ist Opposition.

Aber haben wir nicht seit den 80ern Demokratie europaweit abgebaut? Verachten wir nicht zunehmend Vereinsmeierei, so wie frĂŒher Parlamente als Schwatzbuden diskritiert wurden? Streben wir nicht nach elitĂ€rer FĂŒhrerschaft mit dem großen Auftritt, anstatt mit gesundem Menschenverstand und im Wettbewerb fĂŒr das Gemeinwohl oder auch einmal fĂŒr Einzelinteressen einzutreten?

Und was ist mit der Wessi-Arroganz gegenĂŒber Ostmitteleuropa? GegenĂŒber denjenigen, die kommunistische Zwangsmitgliedschaften verachten und denen, die sich jahrzehntelang nicht demokratisch selbst organisieren durften? Auch sie mĂŒssen wir mitnehmen auf unserem demokratischen Weg!

Eine große bundesstaatliche Europaidee ist bereits vor 68 Jahren gemeinsam mit der EuropĂ€ischen Verteidungsgemeinschaft gescheitert. Das Vereinte Europa entwickelte sich seitdem ĂŒber wirtschaftliche Kooperation, die uns stets grenzĂŒberschreitend die Augen geöffnet hat. Europapolitik hat es dann verstĂ€rkt mit der wirtschaftlichen Integration versucht. Regeln sind gut und brauchen BĂŒrokratie. Aber Technokraten sind oft demokratiefremd oder gar -feindlich. Das spielt den Populisten in die dreckigen HĂ€nde.

FrĂŒher stand vor jeder westdeutschen Stadt ein blaues Schild: „Gemeinde Europas“, darunter standen die Namen aller PartnerstĂ€dte. In Tempelhof steht glaube ich immer noch eins. Es rostet vor sich hin … Denn lĂ€ngst wurden die kommunalen Beauftragten fĂŒr Jugendaustausch ersetzt durch Beauftragte fĂŒr EU-Recht – zur Abwehr eines echten oder vermeintlichen BrĂŒsseler BĂŒrokratiewahns? Und wenn Politik vor Ort leichten Herzens Europa technokratisch-bĂŒrokratisch abwickelt, wie kann man dann den relativ wenigen Beamten in BrĂŒssel „Eurokratie“ vorwerfen?

Europapolitik ist Innenpolitik. Wir mĂŒssen sie ĂŒberall leben und demokratisch gestalten: In den VerbĂ€nden, natĂŒrlich in den Parteien, möglichst grenzĂŒberschreitend. Wir brauchen europĂ€ische Spitzenkandidaten fĂŒr Spitzenpositionen. Aber nur 2 % von uns sind Parteimitglieder. Das reicht nicht fĂŒr eine funktionierende Demokratie.

Wir mĂŒssen das demokratische Europa auch ĂŒberall vorleben: Im BĂ€ckerhandwerk, im Jugendverein, in der Wirtschaft, in der Diakonie, ja auch in den Medien und in der Schule – einfach auf allen Ebenen und möglichst grenzĂŒberschreitend. StĂ€dtepartnerschaften, horizontaler grenzĂŒberschreitender Austausch zwischen BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern aus allen Ecken Europas, all das muss nachhaltig gestĂ€rkt werden.

Ich hĂ€tte es nie zu trĂ€umen gewagt, aber die Europafahne ist zur Fahne der Demokratie und der Freiheit geworden. Ob bei Pulse of Europe, beim March for Europe, bei den anti-Korruptions-Demos in Bukarest, antiautoritĂ€re Demos in Warschau oder Budapest oder anti-Brexit-Demos in London: Die Europafahne ist ein Zeichen der Hoffnung. Dank Ihnen ist das auch RĂŒckenwind fĂŒr die EuropĂ€ische Bewegung und ihr lĂ€nderumspannendes Netzwerk aus 80 internationalen Organisationen und 250 Organisationen hier in Deutschland. Wir brauchen den demokratischen europĂ€ischen Geist auf der Straße, das mĂ€chtige Signal: „Wir wollen Europa – und wir sind viele.“ Wir brauchen diesen Geist aber auch bei allen gesellschaftlichen KrĂ€ften, ob in WohlfahrtsverbĂ€nden, Kirchen, FlĂŒchtlingsinitiativen, beim europĂ€ischen SchĂŒlerwettbewerb, in Gewerkschaften oder in Handelskammern.

Vernetzt, vielfÀltig und verantwortlich!
Das ist das demokratische Europa! Tragen wir gemeinsam den Pulse of Europe weiter! In Vereinen, VerbÀnden und auf Europas PlÀtzen!

Dankeschön!“

Das vollstÀndige Video der Rede