{"id":1244,"date":"2015-03-12T20:44:48","date_gmt":"2015-03-12T19:44:48","guid":{"rendered":"http:\/\/huettemann.eu\/?p=1244"},"modified":"2015-03-12T20:44:48","modified_gmt":"2015-03-12T19:44:48","slug":"die-kneipe-der-europaeischen-union-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/huettemann.eu\/de\/2015\/03\/die-kneipe-der-europaeischen-union-2\/","title":{"rendered":"Die Kneipe der Europ\u00e4ischen Union"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein politisch-psychologischer Gedankencocktail<\/strong><\/p>\n<p>Der Mensch in seiner Mannigfaltigkeit ist ebenso unergr\u00fcndbar wie seine Umwelt. Die verwinkelten Gassen seiner Psyche finden ihr Spiegelbild in der Dynamik von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Doch was passiert, wenn der Mensch sein Spiegelbild nicht mehr erkennt? Wenn seine Umwelt sich ver\u00e4ndert und er den Wandel nicht begreifen kann? Die Europ\u00e4isierung in all ihren Facetten stellt f\u00fcr das Individuum in all seinen Bed\u00fcrfnissen einen tiefgreifenden Wandel dar. Der einfache B\u00fcrger muss nun verstehen lernen. Er muss ein Verst\u00e4ndnis entwickeln f\u00fcr Konzepte, die nationalstaatliche Denk- und Handlungsmuster aufbrechen, die Demokratie neu gestalten und eine neue supranationale Ebene konstruieren. Doch wer entwickelt ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den B\u00fcrger?<\/p>\n<p>Zweifelsohne spielt die Zivilgesellschaft eine gro\u00dfe Rolle auf dem Pfad zu mehr Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den B\u00fcrger, aber auch f\u00fcr die Europ\u00e4isierung. Ich gehe noch einen Schritt weiter und behaupte, dass die Zivilgesellschaft einen evidenten Beitrag zur Befriedigung der psychologischen Grundbed\u00fcrfnisse leistet. Aus dieser These resultiert die Frage, wie dieser Beitrag zur Befriedigung der psychologischen Grundbed\u00fcrfnisse in der Realit\u00e4t aussieht. Um der Fragestellung gerecht zu werden, stelle ich im ersten Schritt die vier psychologischen Grundbed\u00fcrfnisse vor. Anschlie\u00dfend schlage ich die Br\u00fccke zwischen dem theoretischen Konstrukt der Psychologie und den manifesten Indikatoren der Europ\u00e4isierung. Im Anschluss werden die gewonnenen Erkenntnisse res\u00fcmiert und die Fragestellung beantwortet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Stellen Sie sich vor. Sie sitzen in einer Kneipe und der Barkeeper stellt Ihnen einen Cocktail hin. Das Glas symbolisiert die Politik. Der Cocktail wiederrum symbolisiert die Wirtschaft. F\u00fcr den Mann von Welt viel zu schwach und mit Leichtigkeit genie\u00dfbar. F\u00fcr den Ottonormalverbraucher ungenie\u00dfbar und deutlich zu stark. Also was tun? Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den B\u00fcrger haben und den Cocktail neu mixen oder drauf bestehen, dass er getrunken wird?<\/p>\n<p>Der Homo Sapiens in seiner unersch\u00f6pflichen Diversit\u00e4t wird nun auf unterschiedlichste Weise reagieren. Der eine nippt ganz z\u00e4rtlich am Cocktail. Der andere wird lautstark, beschwert sich \u00fcber die unzumutbare Substanz. Ein anderer bittet h\u00f6flich um eine Alternative und hinterfragt die ganze Situation. Kurz und knapp, kein Mensch verh\u00e4lt sich wie sein gegen\u00fcber. Potentielle Ursachen f\u00fcr unterschiedliches Verhalten finden wir in der Psychologie. So wird der Mensch im Alltag durch seine Erfahrungen, Denk- und Handlungsmuster, Emotionen und Gene gelenkt.<\/p>\n<p>Die Wirtschaft profitiert schon lange von diesem Wissen und konzipiert ihre F\u00fchrungsstile nach Wirtschaftlichkeit. Die Devise lautet, je zufriedener der Mitarbeiter, desto gewinnbringender. Eine wissenschaftliche Grundlage bietet die Neuropsychologie. In erster Linie, die vier psychologischen Grundbed\u00fcrfnisse in ihrer Universalit\u00e4t und Interdisziplinarit\u00e4t. Diese Merkmale sind Garant f\u00fcr eine hohe Konstruktvalidit\u00e4t und erlauben eine Anwendung auf jedes gesellschaftliches Ph\u00e4nomen. Sie bilden die theoretische Grundlage meiner Untersuchung.<\/p>\n<p>Bindung. Unmittelbar nach der Geburt baut der Mensch, mittels des Bindungshormons Oxytocin, eine enge Beziehung zu seinen ersten Bezugspersonen auf. Das Bed\u00fcrfnis nach Bindung ergibt sich aus dem Verlangen nach Schutz, N\u00e4he und Vertrauen. Im Verlauf seines Lebens kn\u00fcpft der Mensch weitere soziale Bindungen. Die Basis f\u00fcr ein stabiles Umfeld bildet ein intensiver sozialer Austausch. Je intensiver der positive soziale Austausch, desto gr\u00f6\u00dfer ist das Vertrauen in die Bezugspersonen. (Vgl. Peters 2013, S.73)<\/p>\n<p>Selbstwert und Schutz. Der Mensch konstruiert w\u00e4hrend seines Lebens ein Selbstbild. Dieses Bild entspringt subjektiver Selbstwahrnehmung und Erfahrungen. Sensibel reagiert der Mensch auf Situationen, die sein Selbstwertgef\u00fchl steigern oder schw\u00e4chen. In diesem Sinne tragen nicht nur monet\u00e4re Anreize zu einer Steigerung oder Schw\u00e4chung des Selbstwertgef\u00fchls bei. Partizipation, Mitsprache, Gesetze und Programme k\u00f6nnen ebenfalls als Belohnung oder Sanktion perzipiert werden. Dieser Prozess wird \u00fcber das Stresshormon Cortisol gesteuert. Wird ein Mensch belohnt, wird das Hormon freigesetzt und eine Steigerung des Wohlbefindens tritt ein. (Ebd. S. 76)<\/p>\n<p>Lust und Unlust. Dem einen schmeckt der Cocktail, dem anderen nicht. Dementsprechend versp\u00fcrt der eine mehr Lust beim Verzehr des Cocktails, als der andere. Das Grundbed\u00fcrfnis des Lustempfindens ist das subjektivste Bed\u00fcrfnis. Anhand zahlreicher pers\u00f6nlicher Erfahrungen bewertet das Individuum unbewusst bestimmte Situationen. Die Verkn\u00fcpfung von Emotion und K\u00f6rper ist in diesem Fall besonders offenkundig. Sorgt f\u00fcr Individuum Anton ein Bibliotheksbesuch f\u00fcr einen wahrhaften Dopamin-Rausch, empfindet Individuum Berta dahingegen beklemmende Unlust. (Ebd. S.77)<\/p>\n<p>Orientierung und Kontrolle. Das Grundbed\u00fcrfnis der Orientierung und Kontrolle f\u00e4chert sich auf in drei Bereiche. Der Mensch m\u00f6chte seine Umwelt erkl\u00e4ren. Aus der Erkl\u00e4rung heraus entsteht Verst\u00e4ndnis. Betrachten wir die Wissenschaft finden wir dieses Bed\u00fcrfnis wieder. Anhand von Experimenten, Beobachtungen und Erfahrungen klassifizieren wir unsere Umwelt und gewinnen Erkenntnisse. Neben dem Bed\u00fcrfnis nach Verst\u00e4ndnis und Erkl\u00e4rung spielt eine dritte Komponente eine wesentliche Rolle. Der Drang nach Beeinflussung und Autonomie. Der Mensch ist ein freiheitsliebendes Gesch\u00f6pf und m\u00f6chte seine Umwelt mitgestalten und bestimmen. Wird eine Person in dieser Kompetenz eingeschr\u00e4nkt, resultiert Passivit\u00e4t und Widerstand. (Ebd. S.74)<\/p>\n<p>Inwiefern h\u00e4ngen nun die psychologischen Grundbed\u00fcrfnisse mit der Europ\u00e4isierung und der europ\u00e4ischen Integration zusammen? Wo ist die Verbindung zur Zivilgesellschaft? Die Topmanager der Wirtschaft sind sich einig. Die psychologischen Grundbed\u00fcrfnisse m\u00fcssen ber\u00fccksichtigt werden. Anderenfalls entsteht Passivit\u00e4t, die Mitarbeiter sind unmotiviert und im schlimmsten Fall verfallen sie in tiefe Depressionen und anderen Multisystemerkrankungen. Der TK-Depressionsatlas 2015 verzeichnet eine be\u00e4ngstigende Zunahme von Depressionen und den daran gekoppelten Antidepressiva-Konsum (Depressionsatlas 2015). Diverse psychologische Studien untersuchen die Langzeitfolgen von unserem Alltag auf Lebensdauer, Krankheitsbilder und Zufriedenheit. Die gewonnenen Erkenntnisse sind f\u00fcr die Wirtschaft und die Politik von Nutzen. Gewiss der Umweltfaktor Politik bildet, gemessen an Zeit- und Energieaufwand, f\u00fcr einen Gro\u00dfteil unserer Gesellschaft einen kleineren Anteil ab. Dennoch beeinflusst die Politik im Wechselspiel mit Wirtschaft und Gesellschaft unseren Alltag.<\/p>\n<p>In einer zunehmend komplexer werdenden Welt sollten wir der Tatsache ins Auge blicken, dass zahlreiche Umwelteinfl\u00fcsse unsere Psyche beeinflussen. So existieren zahlreiche Korrelationen zwischen der Gesellschaft und den Regierungs- Wirtschafts- und Sozialsystemen. Genau wie in der Wirtschaft strebt das Individuum in der politisch-gesellschaftlichen Sph\u00e4re nach der Befriedigung seiner Grundbed\u00fcrfnisse. Wird das Individuum entt\u00e4uscht, entsteht Widerstand und Passivit\u00e4t. Jean-Claude Juncker beschreibt es in einem Interview als Entfernung, interpretierbar als Distanzierung, der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger von Europa und f\u00fcgt noch hinzu, dass wer das nicht erkennt blind und taub sei (Arte 2015).<\/p>\n<p>Das Problem ist klar. Das Projekt Europ\u00e4ische Union leidet. Die Tatsache, dass bei der letzten Europawahl lediglich 43,09 Prozent europaweit zur Wahlurne spazierten, die zahlreichen europafeindlichen und populistischen Parteien einen starken Aufwind erleben, das Demokratiedefizit institutioneller und gesellschaftlicher Art so vor sich hind\u00fcmpelt und Europa sich in der Ukraine-Russland-Krise gespalten pr\u00e4sentiert, unterstreicht diese plakative, bewusst provokative Annahme.<\/p>\n<p>Also ben\u00f6tigt unsere Psyche einen Lichtblick oder vielmehr ein Lichtstrahler. Wie w\u00e4re es mit einer europ\u00e4ischen Zivilgesellschaft, gest\u00e4rkt durch den Artikel 11 EUV? Erstmalig wird den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern und der Zivilgesellschaft die M\u00f6glichkeit zugesichert, ihre Ansichten in allen Bereichen des Handelns der EU \u00f6ffentlich bekanntzugeben und auszutauschen. Dar\u00fcber hinaus legt der Artikel G\u00fctekriterien f\u00fcr einen offenen, transparenten und regelm\u00e4\u00dfigen Dialog fest. Der partizipatorische Charakter und die Chance sich \u00fcber diverse Mechanismen und Instrumente in den politischen Entscheidungsprozess einzuklinken, wurde somit prim\u00e4rrechtlich verankert.<\/p>\n<p>Nun stellt sich die Frage, wer oder was ist die Zivilgesellschaft? Doch wie so oft, liegt die <em>scientific community <\/em>mit sich im Clinch. Zumindest besteht ein Minimalkonsens, dass die Zivilgesellschaft eine Pufferzone zwischen Wirtschaft und Politik darstellt. Zu ihr geh\u00f6ren Verb\u00e4nde, Sportvereine, Universit\u00e4ten, Nichtregierungsorganisationen und viele mehr, die ein weites Spektrum von Arbeit, Wirtschaft, Gesellschaft, Bildung bis Kultur abdecken. F\u00fcr uns steht nicht die exakte Definition im Vordergrund, sondern vielmehr die Funktionen einer Zivilgesellschaft.<\/p>\n<p>Eine zentrale Funktion ist der Schutz des privaten und gesellschaftlichen Raums. Ebenso wichtig ist die Beobachtung und Kontrolle der staatlichen Macht und die Forderung nach Rechenschaft und Verantwortlichkeit gegen\u00fcber dem Volk. Au\u00dferdem werden in der Zivilgesellschaft soziales Kapital und Interessen geb\u00fcndelt und den Menschen Partizipations- und Einbringungsm\u00f6glichkeiten geboten. Sie sprengt gesellschaftliche <em>cleavages <\/em>auf und tr\u00e4gt zur L\u00f6sung gesellschaftlicher Spannungen, gesellschaftlicher Inklusion, Vertrauen, Toleranz, Kooperation und Demokratisierung bei. (Vgl. Keane\/Merkel S.449f)<\/p>\n<p>An dieser Stelle lohnt sich eine Rekapitulation der psychologischen Grundbed\u00fcrfnisse. Denn wer diesen Zusammenhang nicht erkennt, wandelt blind und taub durch unsere Umwelt. Das Grundbed\u00fcrfnis Bindung finden wir in der Partizipation, gesellschaftlichen Inklusion und B\u00fcndelung von sozialem Kapital. Das Grundbed\u00fcrfnis nach Orientierung und Kontrolle in der Rechenschaftspflicht und Verantwortlichkeit gegen\u00fcber dem Volk, das Grundbed\u00fcrfnis seinen Selbstwert zu steigern in den Einbringungs- und Durchsetzungsm\u00f6glichkeiten seiner Interessen. Ohne Zweifel besteht eine Korrelation zwischen den psychologischen Grundbed\u00fcrfnissen und der Zivilgesellschaft.<\/p>\n<p>Nichtsdestoweniger, das Problem der Distanzierung bleibt. Viele B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger verstehen die Europ\u00e4ische Union nicht. Allerdings sind ein fundiertes Verst\u00e4ndnis und das Gef\u00fchl autonom zu sein, von horrender Bedeutung f\u00fcr eine Ann\u00e4herung und Akzeptanz. Die aufgezeigte Korrelation, zwischen Zivilgesellschaft und Politik, spielt hier eine tragende Rolle. Folgende Illustrationen verdeutlichen das Potential der Zivilgesellschaft die Kneipe der Europ\u00e4ischen Union f\u00fcr Kenner und f\u00fcr B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger zu \u00f6ffnen und attraktiv zu machen.<\/p>\n<p>Im Zuge der Datenerhebung f\u00fcr den Eurobarometer 2014 wurden in sechs L\u00e4ndern Interviews durchgef\u00fchrt. F\u00fcr einen D\u00e4nen liegt das Hauptproblem in der Art und Weise, wie Informationen \u00fcbermittelt werden (Eurobarometer 2014). Die Quintessenz, Informationen m\u00fcssen verst\u00e4ndlich und einfach zug\u00e4nglich sein. Denn versteht der B\u00fcrger was in seiner Umwelt passiert, gibt ihm das ein Gef\u00fchl von Orientierung und Kontrolle und steigert sein Lustempfinden und Selbstwertgef\u00fchl. Anschlie\u00dfend sollte den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern die Option der Beeinflussung eiger\u00e4umt werden. In der Wirtschaft scheitern ungef\u00e4hr 70 Prozent der Innovationsprozesse, weil das Personal nicht aktiv in die Entscheidungsprozesse eingebunden wurde (Peters 2015, S.128). Das Personal hatte somit weder Informationen noch M\u00f6glichkeiten der Beeinflussung. Warum sollte das bei Entscheidungen im politischen Prozess anders sein? Die Zivilgesellschaft erf\u00fcllt deshalb eine Schl\u00fcsselrolle. Sie tr\u00e4gt zur Aufkl\u00e4rung der Gesellschaft bei und bietet die M\u00f6glichkeit aktiv zu werden und sich einzubringen.<\/p>\n<p>Neben der aktiven Teilnahme und dem grundlegenden Verst\u00e4ndnis ist das Vertrauen und die Bindung ein weiterer Eisw\u00fcrfel im Cocktail der Europ\u00e4ischen Union. In einer Rede zur Bedeutung von B\u00fcrgerbeteiligung im politischen Prozess der Generalsekret\u00e4rin, Bundesministerium f\u00fcr Inneres, Cornelia Rogall-Grothe stellt sie die Relevanz der Einbeziehung von b\u00fcrgerlichen Argumenten heraus (Rogall-Grothe 2011). Ihr zufolge ist es wichtig die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger zu informieren und anzuh\u00f6ren und dar\u00fcber hinaus, die Argumente in den politischen Entscheidungsprozess zu integrieren (Ebd.). Auch hier kann die Zivilgesellschaft, gest\u00e4rkt durch den Artikel 11 EUV, einen Beitrag leisten. Das zeigen verschiedene Netzwerke, die sich f\u00fcr mehr b\u00fcrgerliches Engagement einsetzen. Im Bericht des Fachworkshops des Bundesnetzwerks B\u00fcrgerschaftliches Engagement wird in einer Tabelle aufgezeigt, wie man am besten seine Interessen \u00fcber verschiedene Mechanismen in den politischen Entscheidungszyklus einbringt (BBE). So existiert eine wahre Vielfalt an Beteiligungsm\u00f6glichkeiten, von transparenter und wechselseitiger Information, \u00fcber Dialoge und Beratungen, bis hin zu Partnerschaften. Jede, der genannten Beteiligungsm\u00f6glichkeiten, leistet einen Beitrag zur Befriedigung der psychologischen Grundbed\u00fcrfnisse.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens jetzt ist klar, die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger m\u00f6chten sich beteiligen. Es reicht ihnen nicht ein Sandkorn im Sandkasten der Massenparteien und Gewerkschaften zu sein. Die Beteiligungsformen ver\u00e4ndern sich und eine Studie der Bertelsmann Stiftung unterstreicht, dass der Gang zur Urne f\u00fcr zweidrittel der deutschen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger nicht mehr ausreichend ist (Vehrkamp 2014). Sie m\u00f6chten mitentscheiden und gestalten. Das ist in der Psyche der Menschen verankert.<\/p>\n<p>Ich habe anfangs die These aufgestellt, dass die Zivilgesellschaft einen Beitrag zur Befriedigung der psychologischen Grundbed\u00fcrfnisse leistet. Im Anschluss an meine Untersuchungen, setze ich einen drauf und behaupte, dass die Zivilgesellschaft aus den psychologischen Grundbed\u00fcrfnissen resultiert. Die Psyche eines Menschen ist auf eine starke Zivilgesellschaft und partizipatorische Elemente ausgelegt. Wir wollen uns binden, kooperieren und unsere Umwelt autonom beeinflussen. Eine intakte Zivilgesellschaft bietet jedem Individuum diese Chance. Ein jeder von uns hat die Chance \u00fcber Vereine, Verb\u00e4nde, Nichtregierungsorganisationen und andere Formen seine Gedanken in den Cocktail einzubringen. Wir haben die M\u00f6glichkeit das Glas der Politik zu formen, den Cocktail neu zu mixen und das Sahneh\u00e4ubchen oben drauf zu setzen.<\/p>\n<p>Trotz allem d\u00fcrfen wir nicht vergessen, welche Verantwortung mit der Chance einhergeht. Wie gezeigt, die Zivilgesellschaft ist Ausdruck der psychologischen Grundbed\u00fcrfnisse. Es muss dabei bleiben, dass die Zivilgesellschaft sich der Befriedigung der Grundbed\u00fcrfnisse, der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger verschreibt und nicht zu einem elit\u00e4ren Machtinstrument verkommt. Dar\u00fcber hinaus sollte es ihr Anspruch sein, sich besonders den Bev\u00f6lkerungsteilen zu widmen, die sozialbenachteiligt sind und resigniert haben, denn schlussendlich sitzen wir alle in der gleichen Kneipe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quellenverzeichnis<\/p>\n<p>Frey, Dieter\/Schmalzried, Lisa (2013): Philosophie der F\u00fchrung. Gute F\u00fchrung lernen von Kant, Aristoteles, Popper &amp; Co.. Heidelberg: Springer Verlag.<\/p>\n<p>Keane, John und Wolfgang Merkel (2015): Zivilgesellschaft, in: Raj Kollmorgen, Wolfgang Merkel, Hans-J\u00fcrgen Wagener (Hrsg.): <em>Handbuch Transformationsforschung<\/em>. Wiesbaden: Springer VS: 443-454.<\/p>\n<p>Peters, Theo\/Ghadiri, Argang (2011): Neuroleadership. Grundlagen, Konzepte, Beispiele. Erkenntnisse der Neurowissenschaften f\u00fcr die Mitarbeiterf\u00fchrung. Wiesbaden: Gabler Verlag.<\/p>\n<p>Vehrkamp, Robert (2014): Einwurf. Zukunft der Demokratie. Bertelsmann Stiftung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Internetquellen<\/p>\n<p>Arte (2015): 100 Tage Jean-Claude Juncker. Unter: http:\/\/www.arte.tv\/guide\/de\/056741-000\/100-tage-jean-claude-juncker (zuletzt abgerufen: 25.02.2015).<\/p>\n<p>Bundesnetzwerk B\u00fcrgerschaftliches Engagement (2012): Partizipative Demokratie in Europa. Chancen f\u00fcr B\u00fcrgerbeteiligung nach dem Lissabon-Vertrag. Unter: http:\/\/www.b-b-e.de\/fileadmin\/inhalte\/PDF\/publikationen\/Partizipative_Demokratie_in_Europa.pdf (zuletzt abgerufen: 25.02.2015).<\/p>\n<p>Depressionsatlas (2015): Unter http:\/\/www.tk.de\/tk\/themen\/050-publikationen\/depressionsatlas-2015\/696240 (zuletzt abgerufen: 26.02.2015).<\/p>\n<p>Eurobarometer 82: Die \u00f6ffentliche Meinung in der Europ\u00e4ischen Union. Unter: http:\/\/ec.europa.eu\/public_opinion\/archives\/eb\/eb82\/eb82_first_de.pdf (zuletzt abgerufen: 25.02.2015).<\/p>\n<p>Europa hat gew\u00e4hlt (2014). Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung. Baden-W\u00fcrttemberg. Unter: http:\/\/www.europawahl-bw.de (zuletzt abgerufen: 25.02.2015).<\/p>\n<p>Rogall-Grothe, Cornelia (2011): Die Bedeutung von B\u00fcrgerbeteiligung im politischen Prozess. Unter: http:\/\/www.protokoll-inland.de\/SharedDocs\/Reden\/DE\/2011\/05\/strg_mohnpreis.html (zuletzt abgerufen: 25.02.2015).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein politisch-psychologischer Gedankencocktail Der Mensch in seiner Mannigfaltigkeit ist ebenso unergr\u00fcndbar wie seine Umwelt. Die verwinkelten Gassen seiner Psyche finden ihr Spiegelbild in der Dynamik von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Doch was passiert, wenn der Mensch sein Spiegelbild nicht mehr erkennt? Wenn seine Umwelt sich ver\u00e4ndert und er den Wandel nicht begreifen kann? 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