von Alfeld nach Kloster Amelungsborn

Von Alfeld aus ging es improvisiert zum evangelischen Kloster Amelungsborn weiter. Zunächst stand aber das Fagus-Werk an. Ich entscheid mich zu einem Umweg als Architekturpilger.

Das Fagus-Werke sind etwas für Liebhaber der Industriearchitektur. Seit ich noch in der DDR das Bauhaus gesehen habe und dort merkte, wieviel schwulstiger Neobarock erst in den Jahrzehnten danach entstand, fasziniert mich diese Avantgarde. Das Architekturdenkmal ist eine private Liebhaberei mit großem Informationswert. Als Pilger bin ich gewohnt, alleine zu gehen. Ich hätte aber nicht erwartet, dass ich auch im UNESCO-Weltkulturerbe geradezu alleine wandern sollte.

Im Anschluss machte ich einen Fehler. Den Weg, den ich einschlug, führte in irgendwelche hügeligen Wiesen im Alfelder Umfeld. Der unausgeschilderte Weg führte mich durch wuppertalähnliche Ortschaften in eine Waldlandschaft, die plötzlich verwirrend überausgeschildert war, mehrfach stieß ich auf den Fernwanderweg E11. Zwischen Duinger Berg und Hils arbeitete ich mich durch nasse Wiesen und Wald durch, bis ich auf den Ithkamm stieß. Zu meiner Enttäuschung fand ich keinen Einstieg in die Felsenwege. Aber ich war irgendwie auch durch. Nur bald ins Kloster! Aber nach dem Pass musste ich noch durch das Lennetal mit seinem Autoschlafdorf Scharfoldendorf zum Anstieg auf die Ausläufer des Vogler. Der anschließende Ausblick versöhnte mich. Und wieder schien nach einem Regentag die Sonne.

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Vor mir lag im Tal das Kloster Amelungsborn. Das Kloster hat einen erstaunlich evangelischen Abt und praktischerweise Pilgerzimmer. Die weitläufige Anlage ist aus düsterem Stein gebaut, aber doch fast alternativ-ökologisch gestaltet. Im Gästehaus traf ich auf die ersten echten Pilgerinnen seit Berlin. Sie wanderten allerdings quer zu mir. Der Pilgerweg Loccum-Volkenroda kreuzt meinen freilich inoffiziellen Jakobsweg nach Corvey. Meine Herbergsschwestern tauten nach einiger Zeit bei Rotwein und Pizza auf. Beides hatten wir frecher- und verdienterweise per Lieferservice bestellt. Meine Kolleginnen brachten interessante Lebenserfahrungen mit, aus schwerer Krankheit und aus der Hilfe für Geflüchtete. Die Gastgeber waren übrigens äußerst nett, wenn auch eigen. Hatte mich bei der Anmeldung um einen Tag vertan und dennoch bekam ich was ich verdiente: ein Bett!

nächste Etappe von Kloster Amelungsborn nach Kloster Corvey