Über Schengen nach Lothringen

Bei Schengen kratze ich das zweite Mal an Luxemburg auf meinem langen Weg von Berlin nach Santiago de Compostela. Endlich geht es nach Frankreich. Mitte September werde ich von Trier aus nach Toul wandern. Es werden 220 km durch eine mir noch weitgehend unbekannte Kernregion Europas.
Los geht es an der Benediktinerabtei im Süden Triers, dann fast immer an der Mosel entlang Richtung Metz. Nach Schengen ist es nur einen Katzensprung und dann geht es gleich nach Frankreich. Ich werde bei Cattenom den Weg nach Santiago kurz verlassen. Ich möchte den Bauernhof besuchen, wo mein Großvater Fritz Heusipp nach dem Krieg als Kriegsgefangener arbeiten musste. Die Tochter des Bauern lebt noch heute und hat mich auf einen Kaffee eingeladen. Es wird also ein ganz besonderer Schengenraum! Meine Tourplanung auf Komoot. 

Meine Tour Eifel: Jakobsweg nach Luxemburg/Trier

Dank St. Willibrord wurde dieser keltische Hinkelstein zu einem Pilgerziel, kurz vor Luxemburg. Das Fraubillenkreuz. 

Es wurde meine letzte große Strecke in Deutschland, bevor es über Schengen nach Lothringen gehen soll. Meine letzten 236 Kilometer auf meinem Jakobsweg von Berlin nach Santiago de Compostela begannen in Weilerswist in der Kölner Bucht. Auf der „Via Coloniensis“ wanderte ich durch die Eifel bis Trier, mit einem kurzen „Echternacher Sprung“ nach Luxemburg. Wie erhofft, habe ich in Corona-Zeiten den Kopf frei bekommen. Der Camino war relativ einsam, mit einer ausbaufähigen Pilgerinfrastruktur, aber vielen positiven Überraschungen. Viele katholische Gemeinden sind sehr gut auf Jakobspilger eingerichtet. Genau wie ich es geahnt habe, traf ich keine Mitpilgerinnen oder -pilger. Lag es an Corona, oder an einem abnehmendem Hype? Immerhin folgte mir ein Pärchen einen Tag hinter mir. Seit Berlin war es noch viel Stückwerk, mit vielen positiven Überraschungen. Wie erwartet wurde es landschaftlich und konfessionell eine ähnliche Strecke wie im Sauerland und im Hochstift Paderborn. Aber als Westfale genoss ich die spürbar menschliche Offenheit mit der einnehmenden rheinischen und moselfränkischen Mundart. Irgendwann habe ich auch die Kölsch/Bitburger-Grenze überschritten und am Schluss natürlich die Weinbaugrenze. Römerreste begleiteten mich ohnehin schon seit Köln, fulminant kulminierend in der alten Kaiserstadt Trier. Wieder eine Premiere: ich werde eine unbekannte Landschaft und neues Weltkulturerbe in der Region kennen lernen. Mit Echternach und Trier warten auf mich die ältesten Städte Luxemburgs und Deutschlands. Spirituell dürfte es in vielen Messen und Kirchen, aber ganz besonders in der Natur werden. Helden am Wege gab es aber auch in der Eifel und vor allem in Luxemburg. Wunderbar! 

Read more