#berndscamino à la française – Frankreich im Wandertempo

Irgendwo im Burgund

Mein #berndscamino ist inzwischen ziemlich à la française geworden. 2016 bin ich vor meiner Haustür in Berlin losgelaufen, habe meine westfälische Heimat durchquert, bei Schengen Luxemburg angeschnitten – und bin inzwischen nach mehr als 2.600 Kilometern in Toulouse angekommen.

Pünktlich zu meiner nächsten Etappe von Toulouse nach Lourdes gibt es meine europäische „Probegrabung“ nun auch zum Hören und auf Französisch zu lesen. Mit Andreas Noll habe ich für den Frankreich-Podcast Franko-viel darüber geplaudert, was man von Frankreich und Europa sieht, wenn man Paris, Berlin und Brüssel hinter sich lässt und das Tempo auf Wandergeschwindigkeit reduziert.


Folge #109: 🎙️ „Frankreich zu Fuß: Was man sieht, wenn man Paris hinter sich lässt“

Wir sprechen über ein Lothringen, das auf mich teilweise erstaunlich „erschöpft“ wirkt, über den französischen Zentralismus und die wichtige Rolle der Mairie, über Religion im laizistischen Frankreich, alte Grenzen, die bis heute nachwirken, und mein augenzwinkerndes „Groß-Luxemburg“ – eine grenzüberschreitende Region, die im Alltag längst europäischer funktioniert, als nationale Landkarten vermuten lassen.

Vor allem aber sprechen wir über ein Frankreich, das ich auf meinen vielen Kilometern als unglaublich gastfreundlich und europäisch, zugleich aber auch verunsichert erlebt habe. Vieles funktioniert erstaunlich gut, gleichzeitig begegnen mir Frust über Paris, der Rückzug staatlicher Infrastruktur und eine politische Resignation, die mich beschäftigt.

🎧 Hört selbst rein: Franko-viel #109 – „Frankreich zu Fuß: Was man sieht, wenn man Paris hinter sich lässt“ (bei https://franko-viel.de/

Danke an Andreas Noll für die spannenden Fragen und an Landry Charrier von dokdoc.eu für die Vermittlung.

Die Podcast-Ausgabe ist mit freundlicher Unterstützung des Deutsch-Französischen Bürgerfonds und der Gustav-Stresemann-Stiftung in Bonn entstanden.

Passend dazu ist bei dokdoc.eu nun auch die französische Fassung meiner Zwischenbilanz erschienen. Darin beschreibe ich meinen #berndscamino als archäologische Probegrabung Europas – geografisch, historisch, politisch, religiös und persönlich.

Europa zeigt sich dabei nicht nur in Verträgen, Hauptstädten und Gipfeln. Es liegt auch in Landschaften und Familiengeschichten, in alten Grenzräumen, Mairies und Kirchen, in regionalen Identitäten und an den Tischen der Gastfreundschaft. Und es besteht aus Brüchen, die sich über Jahrhunderte miteinander verwoben haben.

Zum Nachlesen:
🇫🇷 „Fouilles : Mon Camino, de Berlin à Saint-Jacques“ – auf Französisch
🇩🇪 „Ausgrabungen: Mein Camino von Berlin nach Santiago“ – auf Deutsch

Vielleicht verändert sich mein Blick auf Frankreich auch deshalb, weil ich das Land nicht in einem einzigen Sommer durchquere. Ich gehe seit Jahren hindurch – und Frankreich verändert sich währenddessen mit.

Nun nähert sich das Land der Präsidentschaftswahl 2027. Wenn alles nach Plan läuft, werde ich Frankreich im kommenden Jahr irgendwann zu Fuß Richtung Spanien verlassen. Bis dahin werde ich es von Nordosten bis in den Südwesten durchquert haben – durch Pandemie und Grenzschließungen, Krieg in Europa und mehrere politische Krisen hindurch.

Was für ein Frankreich werde ich dann hinter mir lassen?

Ich weiß es nicht. Aber genau das gehört inzwischen zu meiner europäischen Probegrabung: nicht nur Landschaften und historische Schichten zu lesen, sondern einem Land über Jahre beim Wandel zuzusehen – langsam genug, um unterwegs mit den Menschen darüber zu sprechen.

Jetzt geht es erst einmal von Toulouse nach Lourdes – und damit wieder ein Stück weiter Richtung Santiago de Compostela.

👣 Meine nächste #berndscamino-Etappe bei Komoot: Toulouse – Lourdes

Bon chemin!

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