Mein ganz persönlicher Jakobsweg: #berndscamino

Paradiesportal am Paderborner Dom. Wo im Mittelalter Pilger übernachteten.

Zu Fuß von Berlin nach Santiago de Compostela? Das geht nur gemogelt. Und so begann ich 2016 – mit vielen Unterbrechungen – meinen langen Weg nach Westen. Für mich ist er inzwischen eine rund 3.700 Kilometer lange horizontale Probegrabung quer durch Europa. Historische und heutige Pilgerwege sind dabei „nur“ der Anker für meinen Selbstversuch, Kultur- und Landschaftsräumen, fremden Menschen, mir selbst und natürlich auch Gott näherzukommen.

Mein #berndscamino begann 2016 vor meiner Haustür in Berlin. Seitdem gehe ich ihn in Etappen: durch Brandenburg und Sachsen-Anhalt, meine westfälische Heimat, das Rheinland und die Eifel, über Luxemburg und Schengen nach Frankreich und weiter durch Lothringen, Burgund, Rhône-Alpes, das Zentralmassiv und Okzitanien. 2025 erreichte ich Toulouse. 2.611 Kilometer seit Berlin liegen damit hinter mir. 2026 führt mich die nächste Etappe von Toulouse nach Lourdes.

Je länger ich unterwegs bin, desto mehr wird der Camino für mich zu einer europäischen Probegrabung. Landschaften gehen oft fließender ineinander über, als nationale Karten vermuten lassen. Deutlicher werden dagegen historische, religiöse und gesellschaftliche Schichten: alte Reichsgrenzen und Industrieregionen, Krieg und Versöhnung, unterschiedliche Formen von Staat, Kirche und Zivilgesellschaft – und vor allem die Geschichten der Menschen am Weg.

Mein Weg bleibt eine Reise in Etappen, getragen von Europas Vielfalt, seinen Brüchen und seiner Schönheit. Gerade die Nebenwege interessieren mich: Europa jenseits der Hauptstädte und bekannten touristischen Routen – Schritt für Schritt.

Mein Projekt

Stand 2026: 2.611 km von rund 3.700 km seit Berlin geschafft – angekommen bin ich bisher in Toulouse.


Tolle Menschen auf meinem Weg |
Meine Stempelsammlung |
Meine Collections bei Komoot

 

Meine europäische Probegrabung bei dokdoc.eu

Nach fast zehn Jahren auf dem Weg habe ich 2025 für dokdoc.eu eine Zwischenbilanz gezogen. Der Text verbindet die geografischen, historischen, religiösen, gesellschaftlichen und persönlichen Schichten meines Weges von Berlin bis Toulouse: eine archäologische Probegrabung Europas zu Fuß.

Europa zeigt sich dabei nicht nur in Verträgen, Institutionen und Gipfeln, sondern in Landschaften, Grenzregionen, Familiengeschichten, offenen Kirchen, Mairies, Vereinen und an den Tischen der Gastfreundschaft. Die Geografie trennt oft weniger, als man erwartet; Geschichte und gesellschaftliche Strukturen hinterlassen dagegen tiefe Spuren.

2016/17: Berlin/Brandenburg

Viel „Stückweg“ war es am Anfang. Zunächst ging es 2016 nach Süden zum Stadtrand Berlins, dann nach Potsdam und Brandenburg an der Havel. Das fulminante Kloster Lehnin bot mir meine erste Pilgerherberge. Nicht weniger beeindruckend folgte Kloster Jerichow, bevor es im Winter 2017 über die Elbe in die Altmark ging.

Mein Camino begann improvisiert – Schritt für Schritt aus der Großstadt heraus. Berlin bot mehr Überraschungen als gedacht: Schleichwege durch Hinterhöfe und Kleingärten, Gewerbegebiete neben Photovoltaikfeldern, erste Jakobsmuscheln am Mauerweg. In Potsdam traf prachtvolle Schlosslandschaft auf DDR-Villenruhe und Pokémon-Go-Familien. Im Regen führte mich der Weg ins Kloster Lehnin – mein erstes Pilgerkloster, ein Ort voller Stille und Spiritualität.

In Brandenburg an der Havel stieß ich erstmals auf das historische Erbe der Jakobspilger, durchquerte die Backsteinlandschaft und entdeckte Loriots Taufkirche. Weiter ging es nach Plaue und Jerichow: durch Schneelandschaften, Wälder und Dörfer, vorbei an Pulverfabriken und alten Pfarrhäusern. Im Kloster Jerichow erlebte ich Pilgergeschichte pur – allein inmitten der gewaltigen Backsteinromanik.

Über die Elbe und durch Schneesturm erreichte ich Tangermünde mit seiner mittelalterlichen Pracht und Stendal mit winterlicher Altstadt. Am Ende standen 189 km, die ersten Pilgerstempel, neue Routinen und die Gewissheit: Aus kleinen Etappen war ein großes Projekt geworden.

👣 Mein ausführlicher Bericht von Berlin nach Stendal

Kloster Jerichow
Von Berlin in die Altmark via Potsdam, Brandenburg an der Havel, Kloster Lehnin, Kloster Jerichow

2017: Sachsen-Anhalt

In der Altmark ist der Jakobsweg gut erschlossen. Vom Kloster Jerichow ging es über die Elbe nach Tangermünde und von dort über Stendal weiter nach Magdeburg und westwärts bis Eilsleben.

Es war mein längster Jakobsweg bis dahin, mit Etappen von über 40 km – flache, endlose Schritte durch eine oft trostlose Magdeburger Börde, unterbrochen von stillen Dörfern und Hochwasserdeichen. Der „Monte Kali“ bei Zielitz zwang zu Umwegen, Wolmirstedt überraschte mit seiner Schlossdomäne. Eindrucksvoll war die Trogbrücke Magdeburg, wo der Mittellandkanal die Elbe überspannt – ein Bild europäischer Ingenieurskunst.

Magdeburg selbst zeigte sich als aus Ruinen auferstandene Stadt: hart gezeichnet, aber voller Würde, mit Dom und Kathedrale St. Sebastian als spirituellen Höhepunkten. Westwärts ging es dann durch Dörfer meiner Kindheitserinnerung, Begegnungen mit Pilgern und bedrückende Trostlosigkeit wie in Dreileben.

Nach 129 km endete die Etappe in Eilsleben – mit der Erfahrung, dass auch in kargen Landschaften die Tiefe des Pilgerns zu finden ist.

👣 Mein ausführlicher Bericht vom Weg in Sachsen-Anhalt

Wasserstraßenkreuz Magdeburg
von Stendal nach Eilsleben
Der Weg von Stendal über Magdeburg nach Eilsleben

2017: Niedersachsen

Von Eilsleben aus ging es durch die Börde in das Braunschweiger Land, anschließend über Hildesheim in das Weserbergland. Die erste längere Wanderung brachte mir Übernachtungen in einem „echten“ Kloster und in einer evangelischen Abtei. Drei UNESCO-Welterbestätten habe ich dabei ganz nebenbei erwandert. Höhe- und Schlusspunkt war Kloster Corvey.

Zwischen Eilsleben und Braunschweig wurde „Ostfalen“ für mich greifbar: Marienborn als stiller Wallfahrtsort neben der gewaltigen DDR-Grenzanlage, der Schritt nach Niedersachsen am Lappwald – und dann Luxus pur: perfekte Pilgerbeschilderung bis Braunschweig.

Räbke schenkte Herbergsglück und Mühlengeschichten, Königslutter begeisterte mit Stadtkirche und Kaiserdom, der Elm trug mich nach Veltheim in eine frisch erkämpfte Pilgerhütte – Europa im Kleinen. In Braunschweig reihten sich offene Kirchen, Dom St. Blasii, St. Ulrici-Brüdern und die Jakob-Kemenate wie eine Lehrstunde in Stadtgeschichte.

Über Ottbergen und den Vorholz erreichte ich Hildesheim mit Dom und St. Michaelis und schließlich ein lebendiges Klosterleben in Marienrode. Sturm „Xavier“, ein Gratis-Latte im Domfoyer, Alfelds Fachwerkglanz und das Fagus-Werk markierten die Kontraste, bevor Amelungsborn mit Pilgerinnenrunde, Rotwein und Pizza die Seele wärmte.

Durch das Weserbergland führte der Weg zur Weser und hinüber nach Nordrhein-Westfalen: Corvey/Höxter. Heimat in Sicht – das Hochstift Paderborn rief.

👣 Mein ausführlicher Bericht von Eilsleben nach Braunschweig

👣 Mein ausführlicher Bericht von Braunschweig nach Westfalen

Königslutter
Niedersachsen Jakobsweg
Der gesamte Weg in Niedersachsen von Helmstedt nach Kloster Corvey

2018: Westfalen

2018 ging es von Corvey an der Weser durch meine Heimat, das Hochstift Paderborn, in das Hochsauerland: Natur pur mit Fachwerk, Kapellen und Bergbaustollen.

Von Corvey über Heiligenberg und Ovenhausen – Blaskapelle, Humor und Stempel-Mission inklusive – ging es hinein in meine Heimat: bergig, wetterlaunig, mit Fisselregen im Nethetal und Sturm auf der Egge. Kloster Brede schenkte mir Schwester-Gastfreundschaft. Über Rheder, Gehrden und Dringenberg erreichte ich Bad Driburg und im Plädderregen schließlich die Iburg und die „Paderborn Highlands“.

In Paderborn sammelte ich am Paradiesportal, im Dom und in der Busdorfkirche die Pilgerspuren meiner Kindheit. Der neu markierte Jakobsweg nach Elspe führte mich anschließend über die Hillige Seele, Atteln/Husen mit Familienhalt, Dalheim und Marsberg.

Giershagen bot Pfarrheim, Abendbrot und Gespräche, danach ging es durch das schöne Sauerland mit Abstecher ins Bergarbeiter-Ramsbeck, barockem Remblinghausen und herzlichem Eslohe. Über Hofkapellen und ein Frühstück in Bremscheid erreichte ich Elspe, wo die Heidenstraße begann, und schloss die Etappe in Grevenbrück ab.

Heimat, Klöster, offene Türen: anstrengend, beglückend – und wieder ein großes Stück näher an Santiago.

👣 Mein ausführlicher Bericht im „gebirgigten Westphalen“ – Hochstift Paderborn/Hochsauerland

Die Blaskapelle von Ovenhausen
Der Jakobsweg in meiner westfälischen Heimat

2019: Bergisches Land und Kölner Bucht

Vom Sauerland ging es über das Bergische Land und den Rhein in die Kölner Bucht: Jakobsweg durch eine Metropolregion.

Von Grevenbrück führte mich die „Heidenstraße“ ins Rheinland: über Attendorn, Meinerzhagen, Marienheide, Lindlar und Bensberg bis zum Kölner Dom. Westfälische Fachwerkdörfer, Talsperren und Höhenwege begleiteten mich – dazu Fisselregen, Hagel und endlich Kölsch statt Pils.

In Attendorn schenkte mir Pastor Neuser herzliche Gastfreundschaft, auch andernorts halfen Gemeinden spontan mit Unterkunft. Höhepunkte waren der Blick vom Schloss Bensberg auf den Dom, die Ankunft über die Deutzer Brücke und der Pilgerstempel im Hohen Dom selbst – mitten im touristischen Gewimmel.

Von Köln aus begann die Via Coloniensis: durch Brühl und entlang der römischen Wasserleitung nach Weilerswist, wo Hitze, Blasen und Wassermangel die letzten Kilometer prägten. Doch mit 938 km seit Berlin und den ersten Schritten ins Rheinland war klar: Die Eifel ruft als nächste große Etappe.

👣 Mein ausführlicher Bericht vom Weg durch das Bergische Land über Köln hinaus

Ab jetzt nur noch römisch…
Jakobsweg Köln
Durch das Bergische Land in die Kölner Bucht

2020: Eifel/Luxemburg

Auf meiner „Tour Eifel“ ging es von Weilerswist in der Kölner Bucht über das luxemburgische Echternach in die alte Kaiserstadt Trier – Pilgern in der Pandemie.

Von Weilerswist zog ich auf der Via Coloniensis durch die Eifel bis Trier: einsam in Corona-Zeiten, aber getragen von offener rheinisch-moselfränkischer Herzlichkeit. Haus Maria Rast, Bad Münstereifel und Blankenheim eröffneten die Hügel; Kronenburg, Schneifel und Prüm brachten Weite – samt Spuren von Westwall und Römern.

Kleine Wunder am Weg waren die „Gastfreundschaft am Wege“ in Gondenbrett, Kurt Meyers Pilgergarage in Ammeldingen und der mystische Menhir „Fraubillenkreuz“ auf dem Ferschweiler Plateau. Mein „Echternacher Sprung“ führte zu Paschtouer Erasmy – ein üppiges Frühstück, tiefe Gespräche und Willibrord statt Kölsch: nun Bitburger, bald Wein.

Zurück an der Sauer ging es über Welschbillig in die Kaiserstadt Trier: Porta Nigra, Dom, Basilika St. Matthias – und im Pilgerbüro die erste Urkunde. 236 weitere Kilometer, viele Stempel, wenig Mitpilger, viel Naturspiritualität: Die Eifel verabschiedete mich an der Mosel – bereit für Schengen und Lothringen.

👣 Mein ausführlicher Bericht von meinem Weg durch die Eifel nach Trier

St. Willibrord machte einen keltischen Hinkelstein zum Fraubillenkreuz

2021: Schengen/Lothringen

Von Trier ging es 2021 über Schengen nach Frankreich und – mit einem persönlichen Umweg über Boust und Thionville – weiter über Metz nach Toul.

Je suis arrivé en France: Von Trier führte mich der Weg zunächst an der Mosel entlang, kurz nach Luxemburg – Schengen! – und dann hinein ins Grand Est. Römische Spuren bei Tawern und Borg, die Maginot-Linie und die Kühltürme von Cattenom begleiteten den Weg.

In Körrig/Merzkirchen gab es Pfarrhausschlüssel und Gartenblick bis nach Lothringen, in Rettel öffnete Sœur Hélène die Tür. Ein bewegender Umweg führte nach Boust zu der Familie, auf deren Hof mein Großvater 1946 als deutscher Kriegsgefangener gearbeitet hatte. Aus einer Nachkriegsgeschichte war über Generationen eine persönliche deutsch-französische Verbindung geworden.

Über Thionville – Robert Schuman grüßte am Hôtel de Ville – fand ich zurück auf den Jakobsweg. Metz begeisterte mit Kathedrallicht, Festungslinien und einer faszinierenden Mischung aus Reichsstadtgeschichte und französischer Eleganz.

Von Metz ging es flussaufwärts an der Mosel weiter: Dieulouard mit Abbé Gérard, Patrice und Sylvie; Liverdun auf seiner Felsenzunge; Villey-Saint-Étienne mit der großartigen Gastfreundschaft von Anne. In Toul schließlich die stille Krönung: der Turmaufstieg an der Cathédrale Saint-Étienne und das sichere Gefühl, dass der Camino hinter Grenzen und Sprachen derselbe bleibt – nur die Pilgerstempel heißen jetzt tampons.

👣 Mein ausführlicher Bericht von Trier über Schengen und Lothringen nach Toul

Abstecher nach Schengen

2022: Lothringen/Champagne/Burgund

Im August 2022 ging es von Toul weiter Richtung Dijon. Es war mein erstes Pilgerjahr nach den großen Pandemieeinschränkungen – heiß, improvisiert und überraschend herzlich.

Von Toul über Lothringen und die Süd-Champagne bis an den Rand Burgunds ging es bei bis zu 40 °C durch eine wunderschöne, zugleich teilweise strukturschwache Region mit wenig Pilgerinfrastruktur, dafür mit viel Menschlichkeit. Wasser war das große Thema: drei Liter täglich im Rucksack, Rettung oft an Mairies, Friedhöfen und Brunnen – das Quellland um Vittel und Contrexéville half.

Spirituell prägte mich hier weniger Jakobus als Jeanne d’Arc: von Domrémy über Bermont bis zur neogotischen Basilika – überall die Jungfrau statt Pilgerstempel. Übernachten hieß organisieren: Airbnbs, Camping, Gemeindesäle, einmal sogar ein ganzes Pfarrzentrum. Dafür gab es Begegnungen satt – Pascale und Christophe in Chalaines, Clair in Lamarche, niederländische und belgische Gastgeber:innen, die vergessene Höfe neu beleben, Eelco und Henriëtte auf der Ferme Adrien.

Landschaftlich wechselten sich karstige Hochflächen, kühle Buchenwälder und lange Römergeraden ab. Highlights waren Neufchâteau, die Festungsstadt Langres mit Pilgerherberge und Diderot-Glanz, Via-Francigena-Begegnungen, der 40-km-Königstag nach Auberive und das majestätische Grancey-le-Château.

Am Ende zog mich Unterkunftsnot unfreiwillig nach Dijon, wo ich mit Kathedralstempel, Palais Ducal und einem bewegenden Wiedersehen meinen Etappenabschluss feierte. Bilanz: 1.684 km seit Berlin. Burgund wartete.

👣 Mein ausführlicher Bericht von Toul nach Is-sur-Tille

Grand Est

2023: Burgund

2023 führte mich mein #berndscamino nach Ostern von Is-sur-Tille bei Dijon bis nach Cluny – durch eine der schönsten Wein- und Klosterregionen Frankreichs.

In Fontaine-lès-Dijon, dem Geburtsort des heiligen Bernhard, erlebte ich die herzliche Hospitalité der „Petites servantes des pauvres“, bevor ich in Cîteaux zwei Tage ins Trappistenleben eintauchte: Stundengebete, Schweigemahl, Gespräche mit Frère Bernard und der legendäre Käse.

Durch die Climats de Bourgogne wanderte ich bei Regen und Sonne zwischen Grands Crus nach Beaune mit dem Hôtel-Dieu und weiter nach Fontaines, wo ich in einer Pilgerherberge Wadim traf, der seit Polen unterwegs war.

Hügelige Hochflächen lösten die Weinberge ab, in Chenôves erlebte ich burgundische Küche bei Marie und Yves, in Taizé schließlich einen lichtvollen Ruhetag voller Gesänge und Ökumene. Im Platzregen erreichte ich Cluny mit seinen Abteiruinen – Symbol von Reformgeist und Pilgergeschichte.

Am Ende dieser Etappe stand ich bei 1.903 km seit Berlin. Irgendwo zwischen Beaune und Taizé lag damit auch die rechnerische Halbzeit meines damaligen Wegplans nach Santiago.

👣 Mein ausführlicher Bericht von Is-sur-Tille nach Cluny

2023: Rhône-Alpes

Im Herbst 2023 bekam ich noch einmal Lust auf meinen Camino. Von Cluny ging es weiter durch die grünen Berge der Rhône-Alpes bis ins Loire-Tal, in die Nähe von Saint-Étienne: erstaunliche 4.400 Höhenmeter rauf und runter, kaum Tourismus, dafür die für mich bis dahin wohl freundlichste Region Frankreichs.

Zwischen Ruinenpracht in Cluny, einsamen Mischwaldkämmen und parkartigen Hochflächen traf ich selten Pilger, aber viele großartige Gastgeber:innen: kommunale Gîtes mit EU-WLAN, private Zimmer über der Weinlage, Donativo-Herzen und – als Kontrastprogramm – die marianischen Schwestern von Mars mit üppiger Tafel und Komplet.

Unterwegs lagen Zisterzienser-Echos in La Bénisson-Dieu, Napoleon am Col des Écharmeaux, Orte wie Charlieu und Saint-Haon-le-Châtel sowie die ersten Reben der Côte Roannaise samt spontaner Weinschule auf der Domaine de la Rochette.

Bei Saint-Haon-le-Châtel feierte ich meinen 2.000-km-Meilenstein. Pilgerstempel holte ich inzwischen häufiger in Mairies, kleinen Läden und sogar im Carrefour als in Kirchen.

Zum Schluss trug mich der Weg über Prioreien auf Vulkanhügeln wie Montverdun, durch das Loiretal und stille Landstraßen nach Saint-Georges-Haute-Ville – mit einem Abstecher nach Saint-Étienne. Bilanz: 2.092 km seit Berlin, viel (Wein-)Seligkeit und wenige, aber feine spirituelle Momente.

👣 Mein ausführlicher Bericht von Cluny nach Saint-Georges-Haute-Ville

Montverdun

2024: Rhône-Alpes/Okzitanien

Von Saint-Georges-Haute-Ville in der Nähe von Saint-Étienne ging es 2024 durch das Zentralmassiv nach Okzitanien – durch wilde und spirituelle Landschaften.

Auf meinem #berndscamino legte ich weitere rund 300 Kilometer zurück und kam auf insgesamt 2.372 Kilometer seit Berlin. Der wenig begangene Chemin des Allemands führte zunächst mit viel Improvisation und privater Gastfreundschaft bis nach Le Puy-en-Velay.

Dort markierte die feierlich-theatralische Pilgermesse in der Kathedrale den symbolischen Neubeginn auf der Via Podiensis – und zum ersten Mal seit Langem war ich nicht mehr allein unterwegs.

Über die einsamen Plateaus der Margeride und durch die weiten Vulkan- und Weidelandschaften des Aubrac ging es weiter: Highlands-Atmosphäre, Regenbögen, romanische Dorfkirchen und die touristisch ausgeschlachtete Legende der Bestie von Gévaudan wechselten sich ab.

Besonders prägend waren Begegnungen mit Mitpilger:innen wie Anne-Cécile und Myriam, Gespräche über Gott, Politik und das Leben sowie die herzliche Gastfreundschaft einfacher Unterkünfte und Gîtes.

Nach zwölf Tagen erreichte ich Conques – eine der schönsten Pilgerstationen Frankreichs. Die Abbatiale Sainte-Foy, Messe und gemeinsames Pilgeressen bildeten einen würdigen Abschluss. Kurz vor Allerheiligen war das Dorf fast ausgestorben, die Spiritualität dafür umso eindringlicher.

👣 Mein ausführlicher Bericht von Saint-Georges-Haute-Ville nach Conques

Am Ende des Aubrac

2025: Okzitanien/Toulouse

Von Conques ging es 2025 bewusst auf einem Nebenweg nach Toulouse: rund 230 Kilometer abseits der Via Podiensis, mit viel Improvisation, privater Gastfreundschaft und nur einer einzigen Mitpilgerin, Laura.

Conques setzte mit Mönchsgesang, Pilgersegen und Mittelalterzauber den Ton. Danach wurde es Frankreich jenseits der Postkarte: Kohle- und Kurorte im Wandel wie Cransac, ehrenamtliche Denkmalpflege mit Fledermaus-Begleitung in Peyrusse-le-Roc, Caselles, Bastiden und mittelalterliche Orte wie Villefranche-de-Rouergue und Najac, dann die Kunst- und Weinwelt rund um Cordes-sur-Ciel und Gaillac.

Ich lebte von Mairies, Küchentischen und Donativo-Zimmern: Kochabende im Garten, Gespräche über Okzitanien, Politik und Europa – ein Camino der Menschen.

Vor Rabastens öffnete sich die Geschichte bis in die Gegenwart; kurz vor Toulouse stand ich an einem Résistance-Mahnmal im Wald von Reulle. Die Annäherung an die Métropole war städtisch, verwinkelt und gelegentlich von Dornengestrüpp und Komoot-Irrwegen gebremst – und endete doch groß: Einzug in die Ziegelstadt, Saint-Sernin, Pilgerstempel am Jakobustag und Coquilles Saint-Jacques zum Finale.

2.611 km seit Berlin. Ein Nebenweg voller Kern: mittelalterliche Städte, stille Täler, gelebte Gastfreundschaft – und das Gefühl, dass Paris weit weg sein darf, wenn Toulouse ganz nah ist.

👣 Mein ausführlicher Bericht von Conques nach Toulouse

Meine übergreifende Zwischenbilanz Berlin–Toulouse:

2026: Toulouse – Lourdes

2026 geht es weiter: von Toulouse nach Lourdes. Die kommende Etappe führt mich weiter durch Okzitanien in Richtung Pyrenäen – und damit wieder ein Stück näher an die spanische Grenze und an Santiago de Compostela.

Nach dem stillen Nebenweg von Conques nach Toulouse beginnt damit eine neue landschaftliche und religiöse Schicht meines #berndscamino. Lourdes ist dabei nicht das Ende, sondern die nächste markante Station meiner europäischen Probegrabung.

👣 Meine geplante Etappe Toulouse – Lourdes 2026 bei Komoot

Meine weiteren Schritte

Planung bei Komoot:

  • Aquitanien
  • Navarra
  • La Rioja
  • Kastilien und León
  • Galicien
  • Santiago de Compostela

Mehr Überblick